Dein Projekt in einem Satz?

Photos aus Berliner Clubs unmittelbar nach dem Ende einer Party.

Wie war der Entstehungsprozess?

(Von deiner Idee bis zum ersten Foto).

Ich selbst habe regelmäßig in verschiedenen Clubs gearbeitet und habe seit langem Interesse an elektronischer Musik und Techno-Clubs. So kam die Idee mich fotografisch (distanziert) damit auseinander zusetzen. Nach der Ideenfindung in den ersten Stunden, habe ich recht schnell angefangen mir eine lange Liste mit Clubs zu machen, die mich faszinieren, die ich kenne und zu denen ich irgendwie Kontakte habe. Ich habe Freunde gefragt, ob diese Kontakt zu Leuten haben, die einen Club betreiben bzw. in einem arbeiten. Ich habe die ersten Clubs angeschrieben und versucht von meiner Idee zu überzeugen. Ich hatte fast jedes Wochenende Termine, die leider nicht immer was wurden. Es war schwer das Ende der Partys abzuschätzen und so habe ich oft mehrere Stunden in den Clubs verbracht und darauf gewartet, dass die Party zu ende geht. Sobald die Musik aus war und der letzte Gast gegangen ist habe ich das Stativ aufgebaut und angefangen zu Langzeitbelichtungen aufzunehmen (15–30s).

»Aus eigener Herstellung«
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Wie hast du dich vor Ort gefühlt? Wie hat es gerochen? Wie sah es aus? Was hast du gehört?

Da ich wusste, wie es nach einer Party in einem leeren Club ist, konnte ich mir ausmalen, was mich erwartet. Dennoch war es doch sehr ungewohnt nach ein paar Stunden Schlaf mich auf zu machen, in einen Club zu kommen und recht munter zu sein. Während andere Partys in vollem Gange waren, hatte ich viel Zeit mir die Dynamiken und Menschen eine ganze Weile anzuschauen. Ziemlich ernüchternd ist das Ende einer jeden Party. Ganz egal in welchem Club und nach welcher Party. Die Tanzfläche ist leer und dreckig. Es riecht nach Schweiß und Rauch. Die Mitarbeiter sind meist erschöpft und wollen so schnell es geht nach hause. Die letzten Gäste werden rausgeschickt. Wenn das Putzlicht angeht ist wenig übrig von Spaß, Lust und Extase. Die Spuren werden beseitigt und die Räume für die nächste Party wieder hergerichtet.Genau diesen Zustand zwischen nach dem Ende einer Party und dem Wiederherstellen des »Normalzustandes« habe ich versucht festzuhalten.

Warst du in einigen der Clubs schon einmal feiern? Wie haben sich deine Ansichten durch die neu errungenen Einblicke am Tag geändert oder bestätigt?

Ich war in einigen der Clubs zuvor als Gast bzw. habe dort mal gearbeitet. Wirklich interessant waren für mich die Clubs, in denen ich noch nicht war und in die ich wahrscheinlich auch sonst nicht gehen würde. Spannend war es das Ausklingen einer Party genau zu beobachten. Im Nachhinein hat sich für mich gezeigt, wie gleich doch alle Clubs sind, egal, welche Musik gespielt wird und egal welche Gäste kommen.

Was fühlt und denkt man, wenn man nur »Beobachter” ist und nicht mitfeiert. Was für Situationen sieht man am Ende einer Party.

Spannend fand ich die Dynamiken und die Verhältnisse der (letzten) Gäste zueinander. Die meisten können kaum noch stehen, aber tanzen. Es wird viel verbal und non-verbal kommuniziert… Irgendwie entsteht eine Verbindung unter den letzten Gästen einer Party. Manche gehen zusammen nach hause oder ziehen zusammen weiter. Ich habe das Gefühl manche befriedigt das, unter den Letzten zu sein.

»Archive«
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Woher beziehst du deine Kreativität bzw. deine Ideen?

Ich bin immer wieder fasziniert von den Räumen, der Musik und der Menschen die versuchen Abwechslung zum Alltag zu finden, in dem sie, zum Teil, exzessiv feiern gehen. Für mich hat dies eine gewisse Anziehung und zugleich habe ich das Bedürfnis nach Distanz.

Feuer, Erdöl, Kreativität
Diplom-Designerin Daniela Hensel über Design Thinking und Kreativität als Rohstoff

Kannst du das erklären, warum Distanz?

Ich finde es spannend wie viele Menschen das Bedürfnis haben am Wochenende den Rest der Woche zu vergessen und etwas komplett Gegensätzliches zu machen, also die Lust in den Vordergrund zu stellen. Dies kann ich nachvollziehen. Ich sehe dies als Flucht aus dem Zwang der Reproduktion in dieser Gesellschaft. Leider gelingt diese Flucht niemanden so recht. Doch glauben es die meisten. Mit einem Ende der Party bzw. des Wochenendes geht der Ausflug zuende und der Alltag holt die Menschen langsam wieder ein. Ich mag »elektronische Tanzmusik«, gehe gerne und seit Jahren immer wieder in Techno-Clubs, beschäftige mich mit der Musik, kaufe Platten, lege ab und zu auf, arbeite in einem Club; Versuche aber gleichzeitig distanziert zu bleiben. An sich finde ich alles in allem sehr oberflächlich. Viele Menschen identifizieren sich stark über Feiern, Drogen und Party. Für mich ist es dann doch nur ein Hobby.

Wie schafft man es eine Sache von Anfang bis Ende mit Leidenschaft durch zu ziehen? Gibt es Hänger? Wie motiviert man sich?

Gerade bei dem Projekt war es sehr frustrierend auch immer wieder versetzt zu werden, weil es so schwer war Verabredungen zu treffen. Ich war früh von den ersten Bildern und der Herangehensweise überzeugt und wurde von Thomas Meyer motiviert viel zu schaffen. Ich habe mir vorgenommen und letztendlich geschafft in zehn Berliner Clubs Photos zu machen. Zusätzlich brachte mich Thomas Meyer auf die Idee selbst ein Buch zu machen, um den vielen Bildern Platz zu geben. Das hat mich zusätzlich motiviert. Mir hilft es genau diese (erreichbaren) Ziele vor Augen zu haben. Also zu wissen, was will ich erreichen und dann stetig darauf hin zuarbeiten. Diese können ruhig etwas höher gesteckt sein, als notwendig. Wenn ich mich nicht selbst ein bisschen fordere macht es mir weniger Spaß.

Werden und Vergehen
Fotoarbeiten des 3. Semesters, Studiengang Kommunikationsdesign, WS 2011/ 12

Du meintest, einige Treffen sind geplatzt und es war schwer Verabredungen zu treffen. Warum genau?

Manche Clubs haben sich auf meine Anfragen zwar interessiert zurückgemeldet, waren dann aber komischer Weise später nicht mehr erreichbar. Mit anderen Veranstaltern habe ich mich verabredet und als ich ankam, war der Club dann doch schon zu, Türen dicht und alle Leute weg… Einige Clubs sahen es als zusätzlichen Aufwand an, mich fotografieren zu lassen. Sehr verärgert hat mich das Stattbad Wedding, welches ich eine Woche nach unserer Schmitts-Katzen-Party angefragt hatte und sie mich als erstes nach meinem Budget fragten und mir dann »leider« absagen mussten, da ich als Student kein Budget zur Verfügung hatte.

Gibt es Parallelen zu dem Projekt GNTM? Beide Projekte zeigen eine Sicht auf die Realität, wie man sie normalerweise nicht wahrnimmt. Absicht oder Zufall?

Gute Frage. Ich war sehr froh mal was auf den ersten Blick komplett anderes zu machen, was nichts mit Topmodels und Typografie zu tun hat… Ich bin aber immer interessiert Sachen intensiver bzw. anders zu betrachten, um so neue Schlüsse zu ziehen.

Das ist der Tag von dem ihr noch euren Enkelkindern erzählen werdet.
Typographieprojekt von Gregor Weichbrodt und Grischa Stanjek

Wie hast du dich vorbereitet um den Abend zu überstehen? Hast du dich davor tatsächlich immer aufs Ohr gelegt?

Ich habe eigentlich immer versucht vorher ein paar Stunden zu schlafen und ein bisschen was zu essen bevor ich losgefahren bin, um körperlich möglichst fit zu sein. Natürlich vorher Tasche gepackt, Technik gecheckt usw. Manchmal bin ich auch zum Club gefahren, habe mit dem/der Veranstalterin gesprochen, nach hause gefahren, kurz geschlafen und dann wieder hingefahren, um Photos zu machen. Zwei Clubs haben mich nur unter der Bedingung Photos machen lassen, wenn ich vorher auf der eigentlichen Party auch fotografiere und dann die Bilder zur Verfügung stelle.

Du hast geschrieben, dass du in einige Clubs normalerweise nicht gegangen wärst. Welche und warum?

Es gibt viele Gründe warum ein Club mich als Gast nicht interessiert, sondern nur als Fotografierender. Einerseits kann die Musik einfach nicht meinem Geschmack entsprechen oder eben die Leute und die Aufmachung des Clubs. Ich mag lieber düstere Clubs in denen es weniger auf Aussehen und Gesehen werden ankommt. Ich will das nicht so genau konkretisieren in welche ich gerne gehe und in welche nicht…

Gibt es sonst noch etwas, was du uns unbedingt mitteilen möchtest?

Nö.

Dann danke fürs Interview!